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Eva Baronsky
Die Stimme meiner Mutter​
Roman / Originalausgabe / 400 Seiten
12,2 x 18,8 cm / Gebunden mit Lesebändchen
Preis: € 22,– [D] / € 22,70 [A]
ISBN: 978-3-7530-0005-3
Erscheint am 24. August 2021
Auch als E-Book erhältlich.

Eva Baronsky

Die Stimme meiner Mutter

»Und Triumphe waren – das hatte sie in ihrem Leben gelernt – ein guter Ersatz für die Liebe.«

1959 hat die Karriere von Maria Callas ihren Zenit längst überschritten, als sie in Monte Carlo an Bord der Christina geht, der legendären Luxusyacht des griechischen Milliardärs Aristoteles Onassis. Drei Wochen dauert die Kreuzfahrt über die Ägäis bis nach Istanbul, und danach ist nichts wie zuvor. Maria Callas, die amerikanisch-griechische Opernsängerin, die sich aus eigener Kraft ganz an die Spitze gearbeitet hat, findet in Onassis zum ersten Mal einen Mann, dem sie ihre verletzliche Seite zeigen kann. Ungeachtet ihrer Ehepartner, die ebenfalls an Bord sind, werden sie ein Paar – ein Skandal, auf den sich die Presse sofort stürzt. Ein Roman, der dem Menschen hinter der Maske der Maria Callas zum ersten Mal gerecht wird, denn der Erzähler, ihr ungeborener Sohn Omero, kennt sie wie kein anderer.

Aus dem Buch

»Sie hasst mich.«
»Hass würde ich das nicht nennen. Eher Verzweiflung.«
»Verzweiflung?«
»Ja, es ist ihre Art, sich gegen das Unbehagen zu wehren, das du in ihr auslöst. Eine Frau wie du, die so viel erreicht hat, nur aus eigener Kraft und gegen jeden Widerstand, und die ihr Leben auf ihre eigenen Verdienste aufbauen kann. Was hat sie dagegen vorzuweisen? Bei allem Respekt, aber alles, was sie hat, sind ihre Herkunft und die Prominenz ihres Vaters. Nicht einmal mehr einen Ehemann hat sie, der ist ihr gerade abhandengekommen.«
Er wandte den Blick nach unten zu der Gruppe, die sich nun um das Blumenarrangement versammelt hatte.
»Aber sie hat drei Kinder. Ich wünschte, ich hätte wenigstens eins.«
»Kaum jemand ist da, wo er gern sein möchte«, antwortete mein Vater.
»Doch wenn man versucht zu begreifen, wo die Menschen herkommen, was sie ersehnen, was ihnen fehlt, ist es leichter, mit ihnen umzugehen. Wer sollte das besser wissen als du? Was wäre deine Medea ohne diese Fähigkeit?«
»Du hast ja recht. Aber auf der Bühne hilft mir die Musik. Alles, was man über Medea wissen muss, liegt in der Musik. Mit echten Menschen tue ich mich schwerer.«

ZUR AUTORIN

Foto: Milena Stubbe